Ich habe viel gesehen, aber niemand sieht mich.
Die Kurse in Lezha und Gjadër neigen sich langsam dem Ende zu. Wir haben jetzt an beiden Orten vier von fünf Kurstagen hinter uns. Für die Jugendlichen in Lezha bedeutet das, dass wir fertig sind mit HTML, CSS und JavaScript und dass sie morgen Freitag ihre Abschlussprüfung für den Kurs ablegen. Wenn sie bestehen, werden sie alle ein Zertifikat erhalten und die Noten fliessen in ihre Informatiknoten an der Schule ein. Für die Kinder in Gjadër gab es heute ein wenig Abwechslung, da Olivia und Michelle wieder in Gjadër waren und alle gemeinsam erste, spielerische Schritte im Programmieren gemacht haben. Sie werden morgen an ihrem letzten Kurstag ihre Excel Kenntnisse vertiefen.

Neben den Kursen machen wir aber auch immer wieder interessante Bekanntschaften. Zum Beispiel lernten wir Pedro kennen. Er ist ein etwas älterer Kellner im Restaurant Lalanu, der eigentlich gelernter Mixer ist. Wir kamen ins Gespräch, da er perfekt Deutsch spricht. Er hat uns viel erzählt, unter anderem dass er 6 Sprachen fliessend spricht. Er hat bereits an einigen Orten in Europa gelebt, ist schlussendlich jedoch wieder nach Albanien zurückgekommen. Ihm gefällt es hier, meint er. Durch seine Erfahrungen hat er eine sehr genaue Vorstellung, wie Tourismus aussehen kann. Er findet, in Albanien gäbe es noch Luft nach oben. Die meisten, die hier her kämen, seien ausgewanderte Albaner die ihre Familien besuchen. Die offiziellen Tourismuszahlen des Landes seien stark geschönt und was man im TV sieht, entspricht nicht seiner Erfahrung. Man sieht viele schöne Bilder, aber Leute wie ihn sieht man dort nicht. 'Ich habe viel gesehen, aber niemand sieht mich.'

Bei diesem Spitalbesuch lernte ich eine junge Frau kennen (im 2.Jahr High School), die mit ihren Eltern ebenfalls jemanden besuchte. Sie war bezüglich dem iSTEP-Angebot sehr interessiert und hörte mir aufmerksam zu, als ich unsere Geschichte erzählte.

Nun ist der Moment gekommen, allen Einsatzteilnehmern für das absolut geniale Engagement ganz herzlich zu danken. Ich danke aber auch dem ganzen iSTEP-Team und all denen, die für iSTEP gespendet haben. So konnten wir die Kursausrüstung besorgen (Laptop und Zubehör, Memory-Sticks, Kabel, Verteiler, Transportkisten usw.) Durch all diese Unterstützung ist ein solcher Hilfs-Einsatz überhaupt möglich.

So, langsam klingt Pink Floyd am TV aus ... und wie bei all meinen Hilfseinsätzen darf ich sagen: ja, ich bin zwar müde, aber sehr glücklich und es hat sich einmal mehr gelohnt. Ich bin stolz auf euch ALLE. Herzliche Grüsse Adrian

